Donnerstag, 16. August 19.30 Uhr Einführung: Julia Mantel
Szenegirl 250 Auflage, sw, 54 Seiten Text, 9 Seiten Graphik/Siebdrucke handgedruckt von eigenen Zeichnungen, 17×24 cm
Die KünstlerIn Betty Stürmer stellt Ihr im April 2018 erschienenes, autobio-graphisches Buch „Szenegirl“ vor. 54 Seiten Text, den sie bereits 2014 verfasst hat und 9 Seiten Zeichnungen, die sie als Siebdruck umgesetzt hat. Zu hören sind Texte aus ihrer Sturm- und Drang Zeit im Berlin der 80’iger und 90’iger Jahre, wo sie als Szenegirl durch die Kneipen zog, in Kreuzberg im besetzen Haus wohnte und sich als KünstlerIn fand, um dann im Fischbüro als FischAgentin zu landen, Paris und Lima unsicher zu machen und schließlich als ClubartkünstlerIn reussiert. Bei Stürmer ist es nicht nur Westberlin das sie beschreibt, sondern sie hat auch in ihren Texten Ostberlin, Paris, Lima, Barcelona, Frankfurt a. Main und Nürnberg der 80’iger und 90’iger ein Denkmal gesetzt. Orte von wo aus u.a. Gedanken zum Verhältnis von Kunst und Demokratie, Klassenzugehörigkeit und der Bezug zur Clubkultur verhandelt werden.
The artist and DJ Betty Stürmer aka Betty Party presents her just released autobio-graphic book „Szenegirl“. 54 pages, written 2014 and 9 pages drawings, realized as silkcreens. She will read textes about her „storm and urge time“ in the 80’ies and 90’ies of Berlin, where she moved around in bars, living in a squad in Berlin-Kreuzberg, finding herself as an artist, landing for an activ fishagent time at Fischbüro, having stays abroad in Lima and Paris and finally strongly mixing in the Clubartmovement in the years of Berlin 90’ies after the wall came down. Stürmer is not only writing about Westberlin, in her autobiographic novels, she sets also monuments to Eastberlin, Paris, Lima, Barecelona, Frankfurt a. Main and Nürnberg, locations from where she developes arguments over art and democracy, class affiliation and its relation to clubart.
Ausstellungsdauer: 7. – 30.9. 2018 Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung
Die Ausstellung zeigt ausgewählte Arbeiten zweier Künstler: Anvar Nazyrov (1918–1990) und seiner Tochter Dschamilia Hergenreder (*1958). Es ist nicht nur ein Dialog zwischen Vater und Tochter, sondern auch zwischen Generationen, Geschlechtern und Kulturen. Beide Künstler verbindet nicht nur die technisch anspruchsvolle Qualität ihrer Arbeiten, sondern vor allem eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt. Beide verarbeiten dies in ihren Werken. Eine tiefe Einfühlung in die neue Kultur, ein Durchdringen der Traditionen und der Geschichte der neuen Heimat zeichnen diese Künstler aus. So dominieren in Nazyrovs Lebenswerk usbekische Landschaften, die traditionelle mittelasiatische Architektur, die Folklore und natürlich auch die Menschen in Usbekistan.
Parallel dazu bleibt stets die tatarische Herkunft des Künstlers ein Thema seines Schaffens. Bei Dschamilia Hergenreder findet die Beschäftigung mit der neuen Heimat Deutschland und durch das Festhalten der „typisch deutschen“ Motive ihren Inhalt. Ein Beispiel davon sind die Höchster Architekturlandschaften. Doch stets erkennt man die Hand der Künstlerin im Licht und in der Farbgebung, die sie aus ihrer Geburtsstadt Taschkent gewissermaßen importiert hat. Auch sie bleibt ihren Wurzeln treu, und so tauchen neben Erfurter und Weimarer Brücken nicht selten mittelasiatische und tatarische Motive auf. Zusammen mit Menschen erfahren so nicht nur die Motive und Sujets, sondern auch die Maltechniken eine Migration. Die einzigartige Situation des 100jährigen Geburtstags Nazyrovs und dadurch, dass sich viele seiner Arbeiten im Besitz seiner Tochter in Frankfurt befinden, bietet das Jahr 2018 eine einmalige Gelegenheit, den Künstler zu ehren und gleichzeitig durch die Ausstellung der Werke von Dschamilia Hergenreder die Brücke nach Frankfurt zu schlagen.
Die Vernissage findet in Anwesenheit der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Ina Hartwig, des Generalkonsuls der Republik Usbekistan Erkin Khamraev und der Künstlerin Dschamilia Hergenreder statt. Neben der offiziellen Eröffnung wird es eine Führung durch die Ausstellung mit Dschamilia Hergenreder, die Katalogvorstellung, Getränke und Snacks und natürlich ein unvergessliches Kunsterlebnis geben.
Begrüßung: Dr. Robert Bock, Koordination AusstellungsHalle
Es sprechen: Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main Erkin Khamraev, Generalkonsul der Usbekischen Republik in Frankfurt am Main Elena Melnikow-Schneidmiller, Kuratorin der Ausstellung, Dezernat Kultur und Wissenschaft
Samstag, 08.09.18 um 17 Uhr (Eintritt frei) Sozialistischer Realismus im Buchformat Der Maler und Bühnenbildner Anvar Nazyrov hinterließ ein umfangreiches Konvolut an Buchillustrationen. In Tusche, Pastellkreide und Aquarell angefertigte Entwürfe wurden tausendfach gedruckt und breit rezipiert. Als eine Einstimmung auf die kommende Buchmesse nimmt die Kunsthistorikerin Dr. Viola Hildebrand-Schat Sie mit in die Welt der Buchgraphik.
Samstag, 15.09.18 ab 16 Uhr (Eintritt frei) Ein Programm mit tatarischer Musik, Lyrik und Kleinkunst Organisiert vom internationalen Verein „Hanim“, der sich der Pflege der tatarischen Kultur in Europa verschrieben hat, verspricht der Abend nicht nur Unterhaltung, sondern auch neue Erkenntnisse und spannende Einblicke in eine hierzulande wenig bekannte jahrhundertealte Kultur.
Samstag, 22.09.18 um 15 Uhr (Eintritt frei) Literarischer Dialog zwischen Viktor Hergenreder und Prof. Dr. Rainer Hirt Die Werke seines Schwiegervaters Anvar Nazyrov und seiner Frau Dschamilia inspirieren den Lyriker, Songwriter und Komponisten Viktor Hergenreder immer wieder auf’s Neue. Der enge Freund der Familie Hergenreder, Prof. Dr. Rainer Hirt, übersetzt die Gedichte ins Deutsche. Sie erwartet ein lebhafter Dialog, in dem Bilder sprechen lernen und die Sprache Bilder erschafft.
Franz Konter setzt sich als Maler und Zeichner seit vielen Jahren mit dem leeren „ZwischenBildRaum“ auseinander. Alle Arbeiten bestehen aus zwei oder mehreren Bildtafeln, auf denen die gestische, halb figürliche Arbeitsweise jeweils am Bildrand endet, um dann leicht versetzt auf dem angrenzenden Bildträger fortgesetzt zu werden. Die Malerei/Zeichnung „passt“ also nicht wirklich, aber sie nimmt Beziehungen auf. Um ein Ganzes herzustellen, muss der Betrachter optisch immer von einer Tafel zur anderen über den leeren Spalt springen – hört diese Bewegung auf, zerfällt das Bild in seiner Gesamtheit. Die Frage nach der (Bild-)Wirklichkeit wird hier ähnlich einem Koan im Zen-Buddhismus als Übung und Erforschung des Sehens immer von neuem gestellt.
II Tobias Rappel
Mixed Media 11. – 14. Juli 2019
Tobias Rappel ist 1957 in Paderborn geboren, wuchs seit dem Umzug der Familie 1960 in Jungholz / Tirol auf. Von 1977 bis 1982 studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für Gestaltung in Linz und begann seine Arbeit als freischaffender Künstler. Impulse für sein künstlerisches Schaffen sammelte er auf Studienreisen u.a. in Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, USA, Mexiko und auf Hawaii. Seit 1987 lebt und arbeitet er in Frankfurt/Main und Bingen/Rhein. Neben Stadt- und Landschaftsimpressionen stellt Tobias Rappel die „Figur im Raum“ in das Zentrum seiner Arbeit. Hierbei ist ihm besonders die Verschränkung der Gattungen zu einem, wie er sagt, »korrespondierenden Arbeiten an Plastik, Malerei und Zeichnung« wesentlich (»Transformationen«). Sowohl im Malprozess als auch im plastischen Arbeiten strebt er durch Schichtungen und Reduktion, welche als Arbeitsprozesse sichtbar bleiben, die Verdichtung und das wesenhafte Verkörpern einer Bildidee an. In der anstehenden Ausstellung ist es neben der weiteren Auslotung der Übergänge von Malerei / Zeichnung zur Plastik die »Figur auf der Schiefen Ebene«, womit er sich als Bildraum befaßt. In meiner Erzählung »Das Menschenbett« über die Begegnung einer Sammlerin von Plastiken mit dem Künstler des Menschenbettes ist es eines der sehr »materialen« Bilder von Tobias Rappel, das als Bindeglied zwischen Plastik und Malerei geschildert wird. Insofern dient ein Auszug aus der Erzählung als Einleitung in die Ausstellung von Tobias Rappel. Axel Dielmann, Juli 2019
Gespräch mit Tobias Rappel
III Jost Stenger, Jan Ulrich Schmidt, Jörg Simon
Aquarelle, Malerei, Buchpräsentation C/o Ausstellungsraum Becker zu Gast in der AusstellungsHalle 18. – 21. Juli 2019
Jan Ulrich Schmidt „Monet“Jost Stenger: Monotypie und AquarellJörg Simon (Seite aus der Katalogtrilogie KOMPLEX / MONOLOG / SUBSTRAT)
Jost Stenger (Jahrgang 1936) arbeitet seit 2010 wieder mit Papier und Farbe in der Größe DIN A4. Während Jan Ulrich Schmidt (Jahrgang 1976) sich in seinen Bildübersetzungen an die Originalgrößen seiner Vorlagen hält. Stenger arbeitet spontan und emotional aus der Intuition heraus in drei Werkgruppen – Aquarell, Monotypie und Zeichnung. Schmidt arbeitet konzentriert an seinen Farbcodes, indem er mit einer eigens entwickelten Schütttechnik Streifen für Streifen setzt. Für beide Künstler ist der Umgang mit Farbe und Form elementar: In Stengers Aquarellen, die er „Feldbestellungen“ nennt, ordnet er seine Farbsetzungen nach jeweiligem Gefühlszustand immer wieder anders und lässt den Betrachter so an seinen Emotionen teilhaben. Schmidt überträgt die Farbstimmung seiner Vorlagen in einen Code, der mehrere Versionen zulässt und schöpft so aus der Kunstgeschichte einen neuen Ausdruck. Jörg Simon (Jahrgang 1960) ist in der Frankfurter Kunstwelt eine geschätzte Größe. Ob als Künstler oder Kurator – die Klammer seiner Arbeit ist die Kommunikation. Seine Fotoarbeiten, Collagen oder Zeichnungen sind immer erzählerischer Natur. Die seit Jahren immer wieder entstandenen Texte und Gedichte fasst er jetzt in seiner Trilogie „Komplex“, „Monolog“ und „Substrat“ zusammen. In Simons authentischer Art entführt er uns in eine Welt des Menschseins mit all seinen Facetten.
Zum Ausstellungsraum Becker: „Seit 2013 stelle ich zweimal im Jahr Kunst in meiner Wohnung aus. Als Ausstellungsort in meiner Wohnung dient ein kleiner Raum (eine ehemalige Toilette), ca. 1 m² groß mit viel Luft nach oben. Äußerlich gestaltet wie eine Galerie in der Fahrgasse schaut man durch die Schaufenster auf die Kunst. Dies nennen manche die kleinste Galerie Frankfurts. Ein weiterer Raum ergänzt seit 2014 die Ausstellungsfläche. Unterstützt werde ich von meiner Frau und Freunden. Die Ausstellungen werden ausschließlich aus eigenen Mitteln finanziert. Mein Ziel ist es, Künstlern außerhalb des gängigen Kunstbetriebs eine Plattform zu bieten und damit ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Ich sehe mich in der Tradition der Salonkultur, die einen Austausch unter den Kunstschaffenden und Kunstinteressierten ermöglicht. Ein Ausstellungsprogramm im klassischen Sinn gibt es nicht. Ich übertrage Begegnungen, die ich als Sammler mache, in meine Ausstellungen und versuche, keine Vorlieben zu entwickeln, um für Vieles offen zu bleiben.“
IV Waltraud Munz-Heiliger
Installation, Fotografie, Collage, Skulptur 25. – 28. Juli 2019
Liquid WallMirror Leaves (Funkie)
Waltraud Munz-Heiliger arbeitet konzeptuell. Sie studierte an den Kunsthochschulen Stuttgart und Karlsruhe Freie Malerei und Grafik und schloss ihr Studium an der Frankfurter Städelschule als Meisterschülerin ab. Seit 1994 wird sie zu internationalen LandArt-Symposien eingeladen. In ihren Installationen arbeitet sie mit unterschiedlichen Materialien wie Gras, Spiegelmaterial, irisierenden Folien, Tonnen von Steinen, gespannten Bändern u.a. Immer bestimmt die Idee das Material. In der AusstellungsHalle 1A zeigt sie eine Werkübersicht aus unterschiedlichen Disziplinen bis hin zur neu entstandenen Serie der kartografischen Blattcollagen in 2019. Allen Arbeiten liegt die Faszination der Vogelperspektive zu Grunde: Der ikarische Blick, der zu Cluster aus dem Überblick führt. Weiße Flecken in der Kartografie? Wünschbare Utopien unentdeckter Kontinente. Die Spannung zwischen Karte und Gebiet. Landkarten lesen wie Partituren der Neuen Musik. Einen Resonanzraum erzeugen. Und immer wieder : INS OFFENE !
V Wolfgang Klee, Cornelia Kube-Druener
Objekte und Leinwandarbeiten 01. – 04. August 2019
VI Goekhan Erdogan, Gabriel Stoian
Fotoskulptur und Malerei Kuratorin: Rebecca Herlemann 08. – 11. August 2019
INSIDE THE SUN
Die Sonne, das Zentrum unseres Sonnensystems, besteht aus zahlreichen sehr unterschiedlich beschaffenen Ebenen und Zonen, die den alles bestimmenden Kern umgeben. Von hier entspringt die Kraft, die diesen Stern antreibt und zusammenhält, eine unvorstellbare Hitze beherrscht die Situation. Kein Leben kann hier stattfinden, kein Mensch sich je aufhalten. So müssen wir uns auf unsere Fantasie verlassen, um uns vorzustellen, wie es im Inneren der Sonne wohl aussieht. Ein schrecklich unwirtlicher Ort muss das sein, beklemmend und Angst einflößend. „Inside the sun“ als der Titel der Ausstellung von Gabriel Stoian und Goekhan Erdogan beschreibt hier einen Zustand der Imagination, der Selbstreflexion und auch der Sorge. Und doch wird mit Betreten des Ausstellungsraumes klar, dass diese negativen Gefühle abstrakt und innerlich sind, nach außen gekehrt wird davon wenig. So zieht uns die gleichnamige Malerei von Gabriel Stoian im Gegenteil mit ihren leuchtenden, warmen Farben in den Bann. Wir erblicken eine farbige Landschaft, wie einen Wolkenhimmel – Blicken wir nun auf die Sonne oder aus ihr heraus? –, deren Oberfläche eine wunderbare Stofflichkeit hat. „From what I can remember“ bringt uns dann der Person des Künstlers näher. Vier Zeichnungen des gleichen Formates bilden Szenen verschiedener Erinnerungen ab. Eine der Zeichnungen sticht heraus. Sie ist mit hellen Farben geschaffen, eine perfekte Darstellung zweier Papageien auf einem Zweig. Die anderen Zeichnungen sind wilder, fast wie von einem Amateur gemacht. Sie zeigen Landschaften, Stillleben oder kleine Erzählungen. Alles zusammen jedoch fügt sich beinahe zu einem Porträt des Künstlers. Hier kriegen wir Schlaglichter in sein Leben zu sehen, es bildet sich ein Panorama seiner Assoziationen. Er gewährt uns einen Einblick in seine Gefühlslage und diese scheint eine bedrohliche zu sein. Inside the sun ist es unmöglich zu leben. Auch die Arbeit von Goekhan Erdogan ist bei genauerem Hinsehen eine höchst persönliche. Der Künstler arbeitet mit seinem eigenen Abbild, das er in langwierigen Prozessen verformt, verändert und schließlich zerschneidet. Wie ein aggressiver Akt mutet das an und wie verloren wirken die einzelnen Teile, wenn sie wild verstreut auf dem Boden liegen. Das Passfoto, das die Grundlage für seine Arbeit bildet, ist kaum mehr als solches erkennbar. So wird aus einem Identifikationsmerkmal eine neue Form; der offizielle Rahmen, der das Bild hervorgebracht hat, zerfließt in Abstraktion. Ist auch das ein Kommentar darauf, wie der Künstler sich in der Gesellschaft verortet sieht? Schicht um Schicht seines eigenen Bildes trägt er auf und entfernt sich damit immer weiter von der vorgefassten, als wahr und aussagekräftig empfundenen Ausgangslage. Dass er hier nicht allein drinhängt, beweist die Miniaturabbildung seines Kollegen Gabriel Stoian, die dem Selbstbildnis zur Seite gestellt ist. Wie ein kleines Echo erscheint sie gegenüber den monumentalen Ausmaßen des Selbstporträts von Erdogan. Es scheint die beiden Künstler befinden sich in der gleichen Situation. Ihre Arbeiten ergeben fragmentierte Einblicke zu ihren Personen, reflektieren die Bedingungen, die sie umgeben. Die Frage, die sich schließlich jeder in dieser Ausstellung stellen muss, lautet: Wie fühlt es sich an im Innern der Sonne?